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Erst lesen. Dann entscheiden.
Zwei Auszüge zeigen dir, wie sich das Buch liest: Du begegnest einer Frau in ihrer Situation und liest anschließend einen Teil von Ruths psychotherapeutischer Einordnung.
Die Geschichten sind exemplarisch und aus mehreren Erfahrungen zusammengesetzt. Auslassungen in den gekürzten Auszügen sind mit […] markiert.
Leseprobe 1 · Seiten 16–17 und 20
Ich bin noch nicht bereit
Jessica · Exemplarische Geschichte
Ich bin noch nicht bereit, das aufzugeben und Mutter zu werden. Ich habe Angst vor der Verantwortung, vor den Veränderungen, vor dem Unbekannten. Ich weiß nicht, ob ich eine gute Mutter sein werde, ob ich meinem Kind alles geben kann, was es braucht. Ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen Glück und Panik, zwischen Liebe und Zweifel. Ich weiß, dass es vielen Frauen so geht, die zum ersten Mal schwanger sind. Aber das macht es nicht leichter. Ich brauche Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass in mir ein neues Leben wächst. Ich brauche Unterstützung, um meine Ängste zu überwinden. Ich brauche Mut, um mich auf diese neue Rolle einzulassen.
[…]
Ich bin schwanger und noch gar nicht bereit Mutter zu werden. Ich wünsche mir eine Familie. Aber der Beginn dieser neuen Lebensphase bedeutet auch einen Abschied von der aktuellen, endgültig und für immer. Das fällt mir schwer.
Aus Ruths Kommentar
Dem richtigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft aus wissenschaftlicher Sicht versuche ich mich in den Kapiteln „Schwere Entscheidung“ und „Ungewollte Kinderlosigkeit“ zu nähern. Eine absolute Antwort wird es aber nie geben. Die persönlichen Lebensentwürfe stehen im Mittelpunkt dieser Entscheidung.
Der vollständige Kommentar im Buch behandelt weitere Perspektiven und enthält einen Exkurs zum Beginn des Elterngefühls.
Du möchtest weiterlesen? Hier findest du die Buchausgaben. Oder lies weiter unten Annas Geschichte aus dem Familienalltag.
Leseprobe 2 · Seiten 146 und 148
Nur noch genervt
Anna · Exemplarische Geschichte
Mein Leben steht auf dem Kopf. Ich bin so furchtbar erschöpft und so oft genervt von meinen beiden Kindern. Lea steckt mitten in der Wackelzahnpubertät und Max hat nur Quatsch im Kopf. Kaum drehe ich mich um, räumt er mir alle Schubladen und Schränke aus. Dabei dachte ich, dass wir diese Phase schon hinter uns hätten. Mit seinen drei Jahren weiß er genau, wie er die Knöpfe bei seiner Schwester an den richtigen Stellen drücken muss, damit sie an die Decke geht – und ich gleich mit. Es ist immer laut – so laut. Ich kann mich kaum mit anderen unterhalten, weil es so drunter und drüber geht und immer jemand eingebremst oder umgelenkt werden muss.
[…]
Ich bin genervt, manchmal von kleinen Anfragen überfordert, weil ich seit der letzten nicht geschafft habe, meine eigenen Gedanken zu hören oder zu sortieren. Und ich bin müde. Ich sehne mir den Moment herbei, an dem abends endlich Ruhe ist. Und dann ist keine Ruhe. Dann haben sie Durst und Bauchweh, weil sie sich wahrscheinlich einfach nur Nähe und Zeit allein mit Mama an ihrem Bett wünschen, aber ich habe dann keine Kraft mehr.
Aus Ruths Kommentar
Erkenne deine Gefühle an. Es ist normal, dass du dich manchmal von deinen Kindern genervt fühlst. Das bedeutet nicht, dass du sie nicht liebst oder dass du versagst. Es bedeutet nur, dass du ein Mensch bist, der auch Bedürfnisse und Emotionen hat.
Im vollständigen Kommentar geht es außerdem um fehlende Unterstützung im Familienalltag, Selbstfürsorge, Grenzen und einen verständnisvollen Blick auf sich selbst.
Mutter werden ist (nicht) schwer
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Taschenbuch
Zum Blättern, Markieren und Immer-wieder-Zurückkommen.
ISBN: 978-3-00-078083-7
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